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Sunstar GUM - Coronavirus und CPC - Fakten und Fiktion

Coronavirus und CPC - Fakten und Fiktion

Durch die aktuelle Pandemie gibt es eine Fülle von Informationen zu COVID-19, die zu dem neuen Coronavirus (SARS-CoV-2) verbreitet werden. Leider gibt es auch im Bereich der Zahnmedizin Fehlinformationen. In diesem Artikel zeigen wir, dass es keine Beweise für zirkulierende Meldungen gibt, dass Mundspülungen, die Cetylpyridiniumchlorid (CPC) enthalten, eine Infektion mit SARS-CoV-2 verhindern können.

Das Internet ist voll von Tipps, Tricks und Produkten, manchmal sogar von Unternehmen gefördert, die angeblich helfen können, Infektionen durch das Virus zu verhindern. So hatte Amazon bereits Ende Februar mehr als eine Million Produkte wegen falscher Behauptungen verboten, die einen Schutz gegen das Coronavirus nahelegten. Teilweise sind die Behauptungen leicht als nicht korrekt zu entlarven, andere dagegen erscheinen auf den ersten Blick sehr plausibel und zeigen auch Studien dazu auf. Das macht es sehr schwierig, Fakten von Fiktion zu trennen.

Eines der aktuellen "heißen Themen" in der Zahnmedizin ist, ob Mundspülungen, die Cetylpyridiniumchlorid (CPC) enthalten, helfen können, COVID-19 zu bekämpfen. In jüngerer Zeit wurden Mundspülungen, die die Kombination von Alkohol und Chlorhexidin (CHX) enthalten, dieser Diskussion hinzugefügt. Um zu verstehen, warum dieses Thema so viel Interesse im zahnärztlichen Bereich gewonnen hat, lassen Sie uns zuerst einen etwas tiefen Einblick in die Übertragungseigenschaften von SARS-CoV-2 machen, das COVID-19 verursacht.

SARS-CoV-2 in der Zahnarztpraxis

Es wird angenommen, dass der häufigste Übertragungsweg von Mensch zu Mensch durch Tröpfcheninfektion verbreitet wird, wenn infizierte Personen also husten oder niesen [1] [2]. Die Nähe zu Patienten und der Kontakt mit Körperflüssigkeiten wie Speichel und Blut machen Zahnärzte daher anfällig für Infektionen [3]. Es gibt jedoch einen zusätzlichen Übertragungsweg in Form einer Luftausbreitung durch Aerosole. Dabei handelt es sich um mikroskopische Tröpfchen, die eine Vielzahl übertragbarer Atemwegserreger, einschließlich Coronaviren [4], tragen können. Neben Husten oder Niesen können zahnärztliche Eingriffe auch eine hohe Anzahl von Aerosolen erzeugen [5].  Dies erhöht nicht nur das Risiko für die direkte Übertragung durch die Luft in der Zahnarztpraxis [6], sondern ermöglicht auch eine Kontamination von zahnärztlichen Instrumenten und Arbeitsflächen [7] (Abbildung 1). Dies ist beunruhigend, da eine kürzlich im renommierten New England Journal of Medicine veröffentlichte Studie darauf hindeutet, dass das Virus auf mehreren Oberflächen bis zu 72 Stunden lebensfähig bleiben kann [8].

Sunstar GUM - Coronavirus und CPC - Fakten und Fiktion

Angepasst von Peng, Peng, Xian et al "Übertragungswege von 2019-nCoV und Kontrollen in der Zahnarztpraxis" International Journal of Oral Science (2020).

Daher ist es logisch, dass Zahnärzte eine sehr gefährdete Gruppe sind und sich schützen möchten. Aus diesem Interesse heraus ist es daher nicht verwunderlich, dass eine hohe Nachfrage nach Präventivmaßnahmen besteht. Nach einer frühen Forschungsarbeit aus dem Epizentrum des Virusausbruchs [9]  war eine der ersten Empfehlungen einiger Behörden, wie der American Dental Association, die Anwendung einer Mundspülung vor jeder Behandlung, die oxidative Mittel wie 1% Wasserstoffperoxid oder 0,2% Povidon enthält. Es ist wichtig zu erkennen, dass diese Empfehlung dazu gedacht war, den Zahnarzt zu schützen, und nicht den Patienten, indem die Freisetzung von infektiösen Aerosolen während der Behandlung minimiert bezw. verhindert wurde. Und trotzdem; mehrere Experten stellen die schützende Wirksamkeit einer Mundspülung  gegen SARS-CoV-2 in Frage, und weisen auf das Fehlen von klinischen Studien hin, die diese Behauptung belegen.

 

 

Eine Weile nach dieser Veröffentlichung von Peng et al. veröffentlichte die Weltgesundheitsorganisation ein Dokument, in dem CPC zum ersten Mal im Zusammenhang zur Desinfektion von Toiletten (wurde als Beispiel genannt) erwähnt wurde. Mit keinem Wort wurde über CPC als Wirkstoff in Mundspülungen eingegangen. Die  Verschmelzung dieser beiden Veröffentlichungen führte jedoch zu der falschen Behauptung, dass CPC Mundspülungen als Schutz gegen SARS-CoV-2 dienen könnten und die Unternehmen begannen diese Botschaft zu verbreiten.

Was sagen die Beweise?

Was entdecken wir, wenn wir die aktuelle wissenschaftliche Literatur, die diese Behauptung angeblich untermauert, kritisch bewerten? Eine der vorgelegten Studien zeigt in der Tat, dass CPC selbst antivirale Eigenschaften hat. In einem Laborexperiment scheint CPC die Hülle bestimmter Influenzaviren zu stören und so das Virus zu neutralisieren [10]. Aus diesen Ergebnissen lässt sich jedoch nicht behaupten, dass dies auch für SARS-CoV-2 zutrifft. Darüber hinaus wäre viel mehr Forschung erforderlich, um diese Laborergebnisse in eine Empfehlung von CPC-Mundspülungen in der klinischen Praxis zu übersetzen. Auch, ob die antiviralen Eigenschaften ausreichen, um die Viruslast so weit zu verringern, dass sie eine Infektion verhindert, wissen wir einfach nicht. Ein weiteres Ergebnis dieser Studie war, dass Mäuse, die mit einem Mundspray, das CPC enthielt, behandelt wurden, ein signifikant erhöhtes Überleben zeigten. Auch hier, um diese Ergebnisse von einem Tiermodell zu menschlichen Probanden zu übertragen, sind mehrere Schritte erforderlich, und ein Mundspray ist nicht identisch mit einer Mundspülung. 

Die zweite Studie, die als Beweis angeführt wurde, untersuchte, ob die Verwendung eines Mundsprays, das CPC enthält, eine virale Infektion der oberen Atemwege verhindern könnte [11]. In der experimentellen Gruppe, die das Mundspray dreimal täglich angewendet hat, entwickelten sich zwei Infektion (4%) der oberen Atemwege, verglichen mit vier Infektionen in der Kontrollgruppe (9%). Dieser Unterschied war bei weitem nicht statistisch signifikant(p = 0,41), was darauf hindeutet, dass es keinen Beweis für die klinische Wirksamkeit in der täglichen Praxis mit menschlichen Probanden gibt. Darüber hinaus war CPC nicht der einzige Wirkstoff im Mundspray, da es auch weitere Inhaltsstoffe  (Glycerin und Xanthan Gum) enthielt, die durchaus einen Schutzfilm im Hals bilden können.

Wenn wir uns eingehender mit der Literatur befassen, können wir schlussfolgern, dass es bisher keine Untersuchung gibt, die die Wirkung von CPC-haltigen Mundspülungen in Bezug auf COVID-19 oder sogar virale Infektionen der oberen Atemwege im Allgemeinen untersuchte. Neben dieser unbegründeten Behauptung wurde die Kombination von Alkohol und Chlorhexidin (CHX) in Mundspülungen zu einem weiteren Diskussionspunkt. In mehreren Artikeln wurde vorgeschlagen, dass ein Spülen vor der Behandlung mit dieser Kombination hilft, Infektionen mit Coronavirus zu verhindern. Die Studie, die diese Behauptung belegen sollte, zeigte jedoch nur reduzierte Bakterienzahlen in Aerosolen [12]  und untersuchte nicht die Viruslast in Aerosolen.

Der Mund als Eintrittspforte für SARS-CoV-2?

Weiterhin stellt sich die Frage, ob die Mundhöhle überhaupt der Hauptinfektionsweg für SARS-CoV-2 ist, eine Voraussetzung dafür, dass eine Mundspülung wirksam ist. Um dies zu klären, betrachten wir das Rezeptor-Angiotensin-konvertierendes Enzym 2 (ACE2). Dieser Rezeptor, der auf mehreren Zelltypen im gesamten menschlichen Körper vorhanden ist, ist an der Regulierung kritischer Prozesse wie Herzfrequenz, Blutdruck und osmotischer Druck beteiligt [13]. Darüber hinaus deuten jüngste Erkenntnisse darauf hin, dass ACE2 auch eine entscheidende Rolle bei der Internalisierung von SARS-CoV-2 spielt, einem entscheidenden Schritt im Reproduktionsprozess des Virus [14] (Abbildung 2). Es gibt einige Hinweise darauf, dass die Mundschleimhaut, insbesondere auch die Zunge, eine signifikante Expression des Rezeptors ACE2 darstellt, was diese zu potenziellen "Kandidaten" für eine Erstinfektion mit SARS-CoV-2 macht [15]. Eine neuere, qualitativ hochwertige Veröffentlichung legt jedoch nahe, dass andere Strukturen eher der Hauptweg der Infektion sind [16]. Diese Studie ergab, dass die Expression sogenannter "viraler, mit einem Eintritt assoziierter Gene" besonders hoch in nasalen Epithelzellen war. Dies deutet darauf hin, dass diese Zellen wahrscheinlich der Ort der erstmaligen Infektion sind und als Quelle für die Übertragung des Virus zwischen Menschen fungieren können. Dies bedeutet, dass der wahrscheinlichste Weg, sich mit SARS-CoV-2 zu infizieren, durch die Nase ist, was eine begrenzte klinische Relevanz einer Mundspülung gegen die Ausbreitung des Virus impliziert, selbst wenn sie genügend antivirale Eigenschaften hat.

Sunstar GUM - Coronavirus und CPC - Fakten und Fiktion

Schlussfolgerung

Aus der verfügbaren Literatur können wir schlussfolgern, dass es keine Beweise gibt, dass Mundspülungen die Cetylpyridiniumchlorid (CPC) enthalten, vor einer Infektion mit SARS-CoV-2 schützen können, noch kann die Kombination von Alkohol und CHX in Mundspülungen dies leisten.

Wie am Anfang dieses Artikels erwähnt, verbreiten sich falsche Informationen auf vielen verschiedenen Kanälen. Diese  Behauptungen könnten Zahnärzte und Patienten gefährden und ihnen ein falsches Gefühl des Schutzes geben.

Auch unser Unternehmen führt Mundspülungen mit CPC und mit CHX, aber wir möchten nur wissenschaftlich  fundierte, aktuelle Informationen austauschen, und wir empfehlen dringend, dass Zahnärzte weiterhin die Empfehlungen und Richtlinien lokaler und globaler Behörden befolgen. 

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