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Mädchen beim Zahnarzt

Kieferorthopädische Prophylaxe im Kindesalter

Zahlen, Ursachen und Therapieansätze

Die zweite Folgeerhebung der Studie zur Gesundheit von Kindern und Jugendlichen in Deutschland (KiGGS Welle 2) vom RKI hat die Inanspruchnahme von kieferorthopädischer Behandlung in Deutschland untersucht und ist zu interessanten Ergebnissen gekommen, was das Geschlecht und den sozialökonomischen Status (SES) der Patienten betrifft:

  • ab dem Alter von 7 Jahren sind in allen Altersgruppen statistisch signifikant mehr Mädchen in Behandlung als Jungen
  • Mädchen, die in Familien mit niedrigem SES aufwachsen, nehmen signifikant seltener kieferorthopädische Behandlung in Anspruch als Mädchen aus Familien mit mittlerem SES. Bei Jungen ist die Inanspruchnahme in der Gruppe mit niedrigem SES signifikant geringer im Vergleich zu den Gruppen mit mittlerem und hohem SES

Diese Ergebnisse entsprechen leider nicht dem Bedarf, denn Heranwachsende aus sozial schlechter gestellten Familien weisen häufiger eine unzureichende Mundhygiene und schlechte Zahngesundheit auf, die Fehlstellungen nach sich ziehen und mit einer kieferorthopädischen Behandlungsindikation einhergehen können. Hier sollten die behandelnden Zahnärzte sensibilisiert werden und gerade bei Patienten mit einem niedrigeren SES Aufklärungsarbeit leisten und prophylaktische Maßnahmen anwenden.

Des Weiteren nimmt die Anzahl an kieferorthopädischer Behandlung für 7-­ bis 17­-Jährige seit etwa 10 Jahren zu: Zum Zeitpunkt der zweiten Folgeerhebung (2014 – 2017) befanden sich 31,1 Prozent der Kinder und Jugendlichen in ständiger kieferorthopädischer Behandlung, während es bei der Basiserhebung (2003 – 2006) noch 22 Prozent waren. Zum gleichen Ergebnis kommt auch die Statistik der Kassenzahnärztlichen Bundesvereinigung (KZBV), nach der die Anzahl der Behandlungsfälle im gleichen Zeitraum ebenfalls kontinuierlich gestiegen ist. Diese Zahlen sprechen für die dringende Notwendigkeit einer verbesserten kieferorthopädischen Prävention und Frühbehandlung. Einige wichtige Ursachen von kieferorthopädischen Problemen und Therapieansätze werden im Folgenden vorgestellt (s. auch Erfolgreiche kieferorthopädische Prophylaxe und Frühbehandlung: So funktioniert`s):

Kieferorthopädische Prävention beginnt bereits im Säuglingsalter: Beim Stillen wird die Milch unter aktiver Betätigung der Muskulatur des Säuglings aufgenommen, was eine positive Stimulation der Unterkiefer- und Weichteilentwicklung bewirkt. Auch die motorische Entwicklung der Babys spielt eine Rolle: Zum Beispiel kann eine Beeinträchtigung der Entwicklung des orofazialen Systems entstehen, wenn ein Kind nach dem 4. Lebensmonat noch nicht in der Lage ist, die so genannte „Ellenbogen-Becken-Stütze“[1] auszuführen. Darüber aufzuklären und die Sensibilität der Eltern zu stärken sollte Aufgabe der Gynäkologen und Hebammen sein.

Auch das Nursing Bottle Syndrom (NBS), also das Auftreten von Karies bis hin zu einer weitgehenden Zerstörung der Milchzähne bei Säuglingen und Kleinkindern, hat weitgehende kieferorthopädische Folgen. Ursache des NBS ist meist die häufige oder dauerhafte Gabe von zucker-, kohlenhydrat- oder fruchtsäurehaltigen Getränken mit einer Nuckelflasche. Eine Folge ist der Einbruch der Stützzone (Bereich zwischen dem distalen Kontaktpunkt der seitlichen Schneidezähne und dem mesialen Kontaktpunkt der Sechsjahrmolaren), die als sagittale Abstützung und damit als Platzhalter für die permanenten Eckzähne und Prämolaren fungiert. Ein herausnehmbarer Lückenhalter kann dem Verlust der Stützzone entgegenwirken. Er dient dem „Offenhalten“ dieser und kann über die Abrechnungspositionen 123a/b bei der GKV abgerechnet werden. Vorbeugende Maßnahmen wie die Aufklärung durch den Zahnarzt und andere Ansprechpartner und die Individualprophylaxe sind von größter Wichtigkeit, denn häufig kommen die Patienten aus sozial schwächeren Familien, wo das Wissen über den Zusammenhang von Ernährungsgewohnheiten und Zahngesundheit fehlt und oft die Ansicht herrscht, schlechte Zähne seien erblich.

Lutschen bzw. Nuckeln kann einen symmetrischen oder asymmetrischen offenen Biss sowie die Rücklage des Unterkiefers zur Folge haben. Studien zufolge lutschen 70 – 80% aller Kinder[2] an Daumen, Schnuller, Lippen, Gegenständen uvm. Wird das vor Durchbruch der Permanentzähne abgewöhnt, kann es zum Selbstausgleich kommen. Ein sehr einfaches und kostengünstiges Hilfsmittel zur Abgewöhnung von Lutsch- / Nuckelgewohnheiten oder auch Nägelkauen ist eine individuelle Mundvorhofplatte (IMVP). Die Erfolgsrate liegt bei ca. 90% und sie kann über die Abrechnungspositionen 122 a–c der GKV abgerechnet werden kann.

Bruxismus (nächtliches Zähneknirschen / Aufeinanderpressen der Zähne) ist eine autoaggressive Fehlfunktion, die im Milchgebiss weitgehend normal ist. Die Grenzen sind aber fließend: Wenn bereits zwischen 6 – 8 Jahren Schliffflächen erkennbar sind, sollte eine weitere Progredienz unbedingt verhindert werden, auch weil die Auswirkungen weit über die sichtbaren Abrasionen hinausgehen. Eine Aufbissschiene schützt die permanenten Zähne und entlastet das Kiefergelenk. Eine begleitende Manuelle Therapie bzw. Osteopathie ist sinnvoll.

Wenn die Zunge beim Schlucken gegen die Zähne statt den Gaumen drückt, spricht man von einer Zungendysfunktion bzw. einem infantilen (viszeralen) Schluckmuster. Ursache kann auch hier das Flaschenfüttern sein, doch auch eine permanente Mundatmung (zum Beispiel wegen häufiger Erkrankung der Atemwege) führt zu einer Zungenruhelage am Mundboden (statt idealerweise am T-Punkt), aus der sich die untrainierte Zunge nicht jedesmal extra nach oben hebt, um zu schlucken. Ein offener Biss oder Kreuzbiss in Verbindung mit hohem Gaumen sind zwei der möglichen Folgen. Eine Zungendysfunktion kann durch Überprüfung des Schluckmusters diagnostiziert werden. Wenn das Problem noch nach dem 4. Lebensjahr besteht, sollte ein Logopäde hinzugezogen werden, denn oft lassen sich kleinere Störungen in wenigen Sitzungen mithilfe von myofunktioneller Therapie (MFT) beseitigen.

[1] Kind liegt in Bauchlage und stützt sich mit den Ellbogen ab, sodass das Becken noch am Boden bleibt, die Brust sich aber hebt.
[2] Praxis der Zahnheilkunde: Kieferorthopädie Bände I, II, III (Elsevier-Verlag).

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